Beitrag 07 von Vivian B. (Kurzgeschichte)

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Beitrag 07 von Vivian B. (Kurzgeschichte)

Nur ein lautes Keuchen, das leise Plätschern des Wassers um sie herum und Geräusche etlicher Lebewesen waren zu vernehmen, als die jungen Männer, nach einigen Stunden ihres Liebesspieles, endlich zur Ruhe kamen. Nichts sonst durchbrach die perfekte Stille der dunklen Nacht um sie herum, welche sie vor neugierigen Blicken abschirmte. Zwar erleuchtete ein hell scheinender Mond am Himmel ihre Umgebung, spiegelte sich im Wasser, das eben noch von kleinen Wellen aufgewühlt worden und erst mit ihren Körpern zur Ruhe gekommen war, doch nicht umsonst hatten sie sich eine Stelle des Sees gesucht, die von dichtem Schilf bewachsen war.

Erschöpft ließ Prompto die Stirn auf Noctis´ Schulter sinken, schloss die Augen und bemühte sich um einen ruhigen Herzschlag, um endlich wieder mehr zu hören, als nur das Rauschen seines eigenen Blutes in seinen Ohren. Seine Hände strichen träge über die definierten Rückenmuskeln seines Prinzen, spürten die kleinen Unebenheiten, die er selbst ihm durch seine Fingernägel zugezogen hatte. Wären seine Wangen von ihrem Liebesspiel nicht ohnehin gerötet, würden sie sich spätestens jetzt färben.

In weiter Ferne war das laute Gurren eines Catblepus zu hören. Sofern die Riesen sich nicht bedroht fühlten, würden sie ihnen nicht zu nahekommen und einfach weiterhin friedlich durchs Wasser streifen. Doch seitdem ihre Gruppe sich einst mit einem von ihnen angelegt hatten, hatten die Erfahrungen Proms Respekt vor diesen Tieren nur noch mehr gesteigert.
„Alles in Ordnung?“

Nocts leise Stimme riss ihn aus seinen abschweifenden Gedanken – eine manchmal etwas leidige Angewohnheit, die man als Fotograf entwickelte, denn sein Hirn durchlebte täglich gefühlt tausende Gedanken.

Mit einem leisen Ächzen löste Prom sich etwas aus dem festen Griff. Die fehlende Schwerkraft hatte es ihm spielend leicht möglich gemacht, die Beine um Nocts Hüften zu legen, doch nun suchten seine Füße wieder den Grund des Sees und mit einem leisen Lachen lehnte der Blonde sich an die nackte Brust vor ihm, um diese sanft mit den Fingerspitzen entlang zu streichen. „Sollte ich das nicht eher dich fragen?“

Obwohl sie sich schon etliche Jahre kannten, schaffte der Prinz Insomnias es nach wie vor, Proms Herz durch ein einfaches Grinsen flattern zu lassen. Manchmal konnte er sein Glück und dass die bewundernden Gefühle für ihn, die irgendwann in Liebe umgeschlagen waren, tatsächlich auf Gegenseitigkeit beruhten, kaum fassen.
„Ich wurde schon schlimmer verletzt.“

„Stimmt. Aber das hier solltest du besser nicht von Iggy verarzten lassen.“ Bei der Vorstellung, wie der Kopf der Truppe seinen Schützlingen missbilligende Blicke zuwarf und dabei kopfschüttelnd seine Brille zurechtschob, musste Prompto glatt kichern. Weder Noct und er, noch Ignis und Gladio sprachen offen darüber – doch selbst ein Blinder würde verstehen, was sich zwischen den beiden Jungs abspielte. Die heimlichen Blicke, die zufälligen Berührungen und die neckenden Wortspielchen zu übersehen, war schier unmöglich.

„Specs würde mich ein Leben lang mit seinen Gemüsesuppen strafen.“, stimmte der Dunkelhaarige lachend zu, warf einen prüfenden Blick zum weiter entfernt gelegenen Refugium und war erleichtert, dort noch immer kein Licht im Zelt brennen zu sehen.

Prom verstand seinen Blick offenbar falsch und seufzte leise. „Willst du schon wieder zurück?“

In der Frage schwang viel mehr mit, als Außenstehende zu sehen vermochten. Der morgige Tag würde ihnen allen viel abverlangen, denn nachdem sie durch zahlreiche Verzögerungen aufgehalten wurden, wollte die Gruppe nun endlich Altissia erreichen und dort Luna aufsuchen. Und obwohl Prom bewusst war, dass er das Zusammentreffen mit Noct nur ihr zu verdanken hatte, konnte er das beklemmende Gefühl in seiner Brust nicht abschütteln, das ihn beim Gedanken daran, dass sie seine Verlobte war, überkam. Er zweifelte nicht an Noctis´ Gefühlen für ihn und ihm war bewusst, dass sein bester Freund vorhatte, das Ganze irgendwann aufzuklären. Doch die Unsicherheit und Sorge, dass er, ein kleinbürgerlicher und unsicherer Junge, dem Königshaus mit seinem Erscheinen so viel Probleme bereiten könnte, bereitete ihm einfach ein unbehagliches Gefühl im Magen. Kein Wunder also, dass er die ganze Nacht mit ihm hatte verbringen wollen.

„Hey.“ Noct mochte nicht immer die größte Empathie besitzen, doch für ihn war Prom so leicht zu lesen, wie ein Buch. Mit einer Hand an dessen Wange drehte er seinen Kopf zu sich zurück, sodass die unterschiedlich blauen Augenpaare aufeinandertrafen. „Denkst du echt, ich will mir all das hier… entgehen lassen?“

Beschämt biss Prom sich auf die Lippe, doch er neigte dazu, derart ernste Situationen mit seiner Leichtigkeit zu entschärfen. „Hätte ja sein können, dass du schon schlappmachst.“
Bei der frechen Antwort hob Noct überrascht eine Augenbraue, schnaubte dann jedoch amüsiert und zog den Blonden, mit einem Arm an dessen Taille, wieder enger an sich. „Fühlt sich das hier schlapp für dich an?“

Als Prompto deutlich spürte, worauf der Prinz hinauswollte, schoss die Röte sofort wieder in seine Wangen und ließ seine Sommersprossen noch deutlicher hervorstechen. Noct würde es nicht offen sagen, da er wusste, dass der Blonde nicht gern so bezeichnet wurde, doch innerlich bezeichnete er sie immer wieder als süß und konnte sein Lächeln kaum zurückhalten. Für ihn war Prom der frische Wind in seinem Leben, der Ausgleich – oder eher die Belohnung – für all seine Pflichten. Niemand sonst konnte ihn aus der tiefen Dunkelheit ziehen, in die er manchmal eingehüllt zu sein glaubte. Und jedes Lachen seinerseits war wie ein kleiner Sonnenstrahl, der diese Dunkelheit durchschnitt.

„Gib mir aber nicht die Schuld, wenn… wenn du dann morgen früh nicht aus dem Bett kommst…“, presste der quirlige, junge Mann stammelnd hervor, darum bemüht, überhaupt noch Worte formulieren zu können. Denn wie Nocts nackter Körper sich an ihm rieb, würde ihn wohl nie kalt lassen.

„Dann sorg dafür, dass es sich für mich lohnt.“, raunte sein Gegenüber, die Lippen dicht neben seinem Ohr, während sein Arm sich von Proms Taille löste und stattdessen auf Wanderschaft ging. Er konnte sich gut vorstellen, wie wund sein Hintern inzwischen sein musste, doch er machte nicht den Fehler, ihn deshalb zu unterschätzen. Andere mochten ihn für das schwächste Glied der Gruppe halten, für zart und zerbrechlich, doch tatsächlich war er der zäheste und ausdauerndste Kerl, den Noct je gesehen hatte. Trotzdem wollte er sich einen kleinen Gegenspruch nicht verkneifen, lachte leise und biss in sein Ohr, als er die schon geschundene Haut unter seinen Fingern zucken spürte.

„Fühlt sich für mich an, als solltest du dir lieber Gedanken um dich selbst machen.“

Er konnte es zwar nicht sehen, da Prom inzwischen keuchend die Arme um seinen Nacken geschlungen hatte und sich seinen Fingern entgegenbewegte, doch das war auch gar nicht nötig – Noct kannte seinen Freund gut genug, um dessen Schmollen erahnen zu können.

„Dem bin ich gewachsen.“, behauptete er stur, ein Stöhnen durch einen Biss in seinen Nacken unterdrückend, während sie die Position von vorhin erneut einnahmen und ausnutzten, dass die Feuchtigkeit des Wassers ihnen hierbei wenigstens eine Hilfe war. Eine gewisse Genugtuung durchströmte den Blonden, als Nocts erneutes Lachen dadurch ebenfalls von einem lustvollen Laut unterbrochen wurde.

Eines war sicher – niemand sonst konnte von sich behaupten, den Prinzen des Landes erobert zu haben.